KINDERVEREINIGUNG HOHEN NEUENDORF e.V.

Angebote für Familien seit 1992

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Warum arbeiten wir nach Pikler und Hengstenberg?

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„Das Hasten - fast schon ein Zeichen unserer Zeit - beginnt für viele Kinder gleich frühmorgens. Der Bus geht, und die Eltern treiben sie an, sie sollen sich beeilen. Widerstrebend gehorchen sie. Diese Art der Eile gegen inneren Widerstand nimmt ihnen den Atem. Dabei braucht schnelle und flinke Bewegung keinen Verlust an Lebendigkeit zu bedeuten. Wer aus Freude zur Schule läuft, kommt nicht abgehetzt an."

(Elfriede Hengstenberg, Entfaltungen - Bilder und Schilderungen aus meiner Arbeit mit Kindern)


Gesellschaftliche Entwicklungsbesonderheiten von Vorschulkinder in unserer Zeit

Früher war alles besser! Ein geflügelter Satz doch ist er gar nicht so weit hergeholt.
Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass unsere Kinder in der heutigen Zeit eine verminderte Gesundheit und eine geringere körperliche und geistige Leistung aufweisen. Dies lässt sich sehr deutlich an den sportlichen Leistungen in der Schule erkennen. Nicht nur die Sportlehrer können einen Rückgang von Kondition und Koordination erkennen, auch ein direkter Vergleich der Ergebnisse mit denen einiger Jahre zuvor zeigt, dass die Leistungen deutlich abgenommen haben. Je älter die Kinder werden, desto mehr nimmt auch die Differenz zu den Leistungen Gleichaltriger früherer Jahre zu.
Gleichzeitig zu diesen abnehmenden sportlichen Leistungen steigt nicht nur die Anzahl der Allergien bei Kindern, sondern auch Sprach- und Bewegungsauffälligkeiten nehmen zu.
Auch die PISA-Studie zeigt deutliche Defizite unserer Kinder im kognitiven Bereich. Daraus lässt sich schließen, dass körperliche und geistige Leistungen Hand in Hand miteinander gehen. Das zeigt unter anderem eine Studie des Ministeriums für Bildung Jugend und Sport, bei der eine direkte Verbindung zwischen Schulleistung und Balancefähigkeit nachgewiesen wurde.

Doch wo rühren diese Unterschiede her?

Diese Frage beantwortet die Hirnforschung. Verschiedene Arbeitsgruppen in Nordamerika konnten einen Zusammenhang zwischen der Größe des Gehirns und dem IQ der untersuchten Personen herstellen. Neben diesen Zusammenhängen konnte auch eine höhere Nervenleitgeschwindigkeit bei intelligenteren Personen beim Problemlösen festgestellt werden. Laut diesen Untersuchungen ist die Intelligenz also von der Übertragungsgeschwindigkeit von Reizen im Gehirn abhängig. Doch was bestimmt wie hoch diese Geschwindigkeit ist? Wie kann man diese fördern?
Bei Neugeborenen sind im Nervensystem noch wenige Vernetzungen vorhanden, die die Hirntätigkeit darstellen. Die meisten der Vernetzungen die Erwachsene besitzen, werden bis zum Alter von 10 Jahren geschaffen. Die Art und Anzahl der Vernetzungen hängt ganz von den Erlebnissen des Kindes in diesen Jahren ab. So werden die meisten Vernetzungen geknüpft, wenn Kinder Bewegungen durchführen, die mehrere Hirnbereiche gleichzeitig ansprechen.
Fazit:
Je vielseitiger sich Kinder in den ersten 10 Jahren bewegen, desto besser entwickelt sich das Gehirn und desto höher sind schulische Leistungen. Der Schlüssel sind also die Reize von außen. Soweit zur statistischen und neurologischen Grundlage doch warum haben wir in unserer Gesellschaft heute diese leistungsmäßigen Rückstände?

Wie sieht denn der Alltag eines Kindes heute aus im Vergleich zu früher?

Wenn es morgens zur Kita oder zur Schule geht, wird das Kind mit dem Auto gefahren. Immerhin geht es ja auch schneller, als zu laufen und man kann sein Kind sicher absetzen. In der Schule sitzen die Kinder meist den ganzen Tag und können sich wenig bewegen. Auch zum Abholen nimmt man natürlich wieder das Auto. Zu hause angekommen haben die Eltern meist zu tun und nicht selten kommt es vor, dass sich das Kind vor den Fernseher setzt und zu viel Zeit dort verbringt. Vielleicht ist es auch ein Computer oder eine Spielkonsole mit der das Kind sich beschäftigt. Und selbst wenn es zu anderen Spielzeugen greift, bleiben unsere Kinder heute meist im Haus.

Doch wie haben sich Kinder vor zwanzig Jahren beschäftigt,

als Fernseher noch kaum Sendungen für Kinder anboten, Computer noch nicht benutzerfreundlich genug waren und Spielkonsolen auch erst in den Kinderschuhen steckten? In Zeiten wo das Angebot an Spielzeug in den Läden viel kleiner war als heute?
Zwar saßen die Kinder auch vor zwanzig Jahren schon den ganzen Tag in der Schule und haben sich kaum bewegt, jedoch sind kaum Eltern auf die Idee gekommen ihre Kinder zur Schule zu fahren. Sie sind einfach selbst los, ob mit dem Rad oder zu Fuß. Und auch nach der Schule blieb kaum ein Kind zu hause sondern spielte draußen mit seinen Freunden. Und wenn es doch zu hause blieb, dann spielte es immerhin im Garten. Und die Kinder haben sich mit dem beschäftigt was sie gefunden haben. Sie sind auf Bäume geklettert, auf Mauern balanciert oder durch die Gegend gerannt. So haben sie ihre Umgebung selbstständig erkundet und eine Menge Bewegungskompetenzen ausgebildet.
Kein Wunder, dass sie bessere sportliche Leistungen erbringen, wenn diese ihr Alltag sind. Wer hat nicht als Kind mit seinen Freunden mal ein Wettrennen gemacht? Genau diese Dinge sind es, die die Kinder fördern und die heute immer mehr vernachlässigt werden. Auch haben Kinder immer weniger Möglichkeiten zu spielen. Durch enge Bebauung der Wohnorte werden natürliche Spielplätze zerstört und unsere Kinder immer mehr eingeschränkt. Es liegt an uns, unseren Kindern die Spielbewegungsmöglichkeiten zu geben durch Raum und Zeit und sie in diesen Dingen nicht immer mehr einzuschränken.

Umgang mit Zeit

Wir leben in einer Kultur der „Beschleunigung". Alles muss immer schneller, in immer kürzerer Zeit geleistet, produziert, erreicht oder erledigt werden. Davon ist natürlich in besonders hohem Maße unsere Arbeits- und Berufswelt betroffen, aber auch unser Freizeitverhalten wird immer mehr von den Auswirkungen dieses Beschleunigungswahns beeinflusst. Diese Entwicklung hat mit der aufkommenden Industrialisierung ihren Anfang genommen und ein Ende ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch lange nicht abzusehen. Im Gegenteil: Zunehmend scheint sich dieser Trend in seiner ganzen Massivität und Wucht gegen den Menschen selbst zu richten. Hektik, Leistungsdruck und Stress nehmen zu und wirken sich für eine wachsende Zahl von Menschen als gesundheitsgefährdend oder gar lebensbedrohlich aus. Die Liste der entsprechenden Zivilisationskrankheiten belegt dies gleichermaßen eindrucksvoll wie alarmierend. Einen entscheidenden Anteil daran hat nicht nur das von ökonomischen Interessen bestimmte Streben nach immer höherer Effizienz durch neue Management- und Organisationsmethoden, sondern auch die Erfindung immer „zeitsparender" Techniken bzw. Technologien vor allem in den Bereichen Mobilität, Kommunikation und Information.

Der fragwürdige Umgang mit der Zeit in unserer Kultur hat längst das Maß des Menschlichen überschritten! Salopp gefragt: Ticken wir noch richtig? Nicht die Zeit ist es, die uns fertig macht, sondern das Tempo. Da können immer mehr Menschen einfach nicht mithalten. Dazu ein Beispiel aus der Welt des Sports: Der Kampf um die entscheidende Millisekunde, die Sieger und Besiegter voneinander unterscheidet, führt im modernen Profisport offensichtlich dazu, dass Leistungssteigerung mit fast allen Mitteln betrieben wird. Der Mensch stößt also an seine Grenzen, mit seinen normalen Fähigkeiten kann er kaum noch Sieger werden.

Am nachhaltigsten haben sich die Möglichkeiten und damit auch unsere Gewohnheiten der Kommunikation und Information gewandelt und damit zu einer Veränderung in vielen Lebensbereichen geführt. Eine Flut von Informationen, Bildern und Daten erreicht uns tagtäglich über Fernsehen, Radio, Computer, Internet und Handy – überall sind wir erreichbar und alles ist miteinander vernetzt. Längst haben Medienexperten ein generationsspezifisches Kommunikations- und Informationsverhalten und eine damit entsprechend geprägte Mediennutzung festgestellt. Während die ältere Generation nur schwer Zugang zu den neuen Medien findet, wachsen Kinder und Jugendlichen mit Computerspielen, Fernsehen und Internet auf, sind es gewohnt, sich in virtuellen Räumen und Welten zu bewegen.
Doch wer bringt ihnen das bei, wer begleitet sie dabei? In einer solchen, von Neugierde geleiteten und somit unbefangenen Mediennutzung stecken viele Gefahren, auf die wir bis heute – gerade in den Schulen – nicht mit einer angemessenen Medienerziehung – reagieren, um mit Schülerinnen und Schülern ihr Medienverhalten kritisch zu reflektieren.
Schließlich droht nichts geringerem als „der Verlust der Kindheit", wie es der bekannte Medienkritiker Neil Postman schon vor Jahren postulierte.

Gerade dieses letzte Beispiel zeigt, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene besonders stark von den Auswirkungen dieser Kultur der Beschleunigung betroffen sind, da sie erst noch lernen müssen, mit Hektik, Leistungsdruck und Stress umzugehen, lernen müssen, aus einer Vielzahl an Angeboten und Möglichkeiten auszuwählen, also Entscheidungen zu treffen, sich zu orientieren und einen Überblick zu verschaffen. Gerade auch in den Schulen ist zu spüren, dass die Leistungsanforderungen zu nehmen und immer kürzerer Zeit immer mehr gelernt werden muss. Entsprechend werden die Lehrpläne komprimiert und zur Zeit sogar die Schulzeit in den weiterführenden Schulen verkürzt, in dem das 13. Schuljahr abgeschafft wird. Der wachsende Wettbewerb im vereinten Europa und die Folgen der Globalisierung lassen grüßen.

Wenn es denn stimmt, dass „alles seine Zeit" hat, und wir heute ergänzend dazu feststellen müssen: „Nur der Mensch hat sie verloren", dann kann das Ziel nur heißen „entschleunigen – verlangsamen – innehalten".

Nach Björn Uwe Rahlwes, Pfarrer und Dozent am religionspädagogischen Studienzentrum
(RPZ) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Kronberg
im Taunus.

Erfolgreich ist,
wer nicht alles auf einmal will,
sondern sich Zeit lässt:
für die Stille, für die Reife,
für alles, was nicht in seiner Hand liegt.
Erfolgsfaktoren:
Zufriedenheit, Ausgeglichenheit,
Selbstbewusstsein, Geduld,
Mitgefühl, Humor.
Udo Hahn

Was können Eltern tun?

Eltern in Deutschland haben zu wenig Zeit für ihre Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt das UN-Kinderhilfswerk UNICEF in einer Studie aus dem Jahr 2007, in der es die Lage von Kindern in verschiedenen Industrienationen vergleicht. So beklagt zum Beispiel jeder zweite Teenager in Deutschland, dass die Eltern kaum Zeit haben, sich mit ihm zu unterhalten. Dabei sind gemeinsame Zeit mit den Eltern, ihre Zuwendung und ehrliches Interesse für das Wohlbefinden eines Heranwachsenden wichtig – viel wichtiger als das neue Handy oder mehr Taschengeld. In vielen Familien geht es unter der Woche turbulent zu: Haushalt und Beruf, Schule, Kita und Sportverein und andere Termine sind zu absolvieren. Es ist nicht entscheidend, wie viele Stunden wir als Eltern mit unseren Kindern verbringen. Viel wichtiger ist es, wie die gemeinsam verbrachte Zeit geplant und gestaltet wird. Sicher, die meisten Kinder finden einen Familienausflug in einen Freizeitpark klasse. Doch oft sind es die eher einfachen Dinge, an denen Kinder die meiste Freude haben und sich auch noch als Erwachsene gern erinnern: ein Spielabend, ein Federballturnier oder ein Ausflug an den Badesee. Diese Aktivitäten kosten kaum Geld. Und sie machen umso mehr Spaß, je mehr Leute dabei sind: Freunde von den Kindern und andere Erwachsene.
Versetzen wir uns in die Perspektive der Kinder. Für sie zählt nicht, ob die Stunde 60, 80 oder 100 Minuten hat oder wie lange die nächste Mau-Mau-Runde dauert. Ihr Zeitempfinden ist ein anderes als das von Erwachsenen. Sie wollen am liebsten das tun, was ihnen Spaß bringt, was ihre Neugier befriedigt, was ihnen Wohlgefühl vermittelt – und das am besten hier und jetzt. Nicht gleich, nicht später – jetzt! . Es ist gut, wenn Eltern sich bewusst machen, dass Kinder anders „ticken". Und das aus drei Gründen:

1. Sie bringen mehr Verständnis für das kindliche Verhalten auf und können vorprogrammierten Konfliktsituationen entspannter entgegen sehen. Geben sier etwa vor dem Kinderarzttermin die 10-Minuten-Parole zu Vorbereitungsmaßnahmen früher aus, dann regen sie sich auch weniger über trödelnde Kinder auf.

2. Entschleunigung können Eltern ideal von ihren Kindern lernen. Diese tun es nämlich von selbst und genießen ihre Freude am Augenblick. Schaut es ihnen einfach ab. Die Welt um euch herum bricht deshalb nicht zusammen.

3. Wenn die Zeit zu knapp ist für komplette Bastel- und Spielnachmittage, brauchen Eltern kein schlechtes Gewissen zu haben. Kinder stehen nicht mit der Stoppuhr neben ihnen und führen Tagebuch über das ihnen gewidmete Zeitkontingent. Was zählt, ist die gemeinsam erlebte und gefühlte Zeit.

Wenn Eltern sich in ihre eigene Kindheit zurückversetzen, haben sie meist positive Erinnerungen an Spiele, wo sie ihre eigene Welt schafften und sie mit ihrer eigenen Fantasie ausgestalteten. Das ist ein Geschenk, das sie aus ihrer Kindheit mitnahmen, denn die Fantasie, die in der Kindheit veranlagt und gepflegt wurde, ist etwas, das uns das ganze Leben begleitet und diese Entwicklung kann nicht später in Kursen erlernt oder nachgeholt werden.
Eltern wünschen sich jedoch häufig lieber Angebote für ihre Kinder, einhergehend mit Spielzeug, Abwechslung, Unterhaltung, Förderung. Selten geht es um Raum und Zeit für Spiele und um das Entstehen einer kindlichen Fantasiewelt. Ursache dafür ist häufig ein Druck, den Eltern verspüren, denn sie haben das Vertrauen in die gesunde kindliche Entwicklung verloren. An diese Stelle ist die Sorge getreten, dass ohne ihr aktives Dazutun vielleicht alles Wesentliche ausbleibt oder Chancen verpasst werden. Lt. Hengstenberg wächst die Pflanze nicht schneller, wenn man daran zieht, sondern sie geht kaputt. In unserer heutigen Welt werden die Eltern als nachlässig angesehen, die nicht "ziehen". Eltern trauen sich nicht mehr, ihre Kinder einfach nur spielen zu lassen. Das freie Spiel ist aber die gesündeste und umfassendste Art des Lernens in dieser Lebensphase.
Manchmal trauen Eltern ihren Kindern nicht zu, sich selbst umfassend zu bilden. Sie begründen ihr Misstrauen damit, dass das Kind nicht über sein Spiel spricht. Dazu ist es nur wenig in der Lage, denn es ist seine Fantasiewelt. Diese Fantasiewelt ist für Eltern von geringen Interesse, denn es ist nicht ihre. Vielmehr geht es Eltern darum, zu wissen, ob es ihrem Kind gut geht, wenn sie fragen, was es gespielt hat. Da sie jedoch das Vertrauen in die gesunde kindliche Entwicklung verloren haben, fällt es ihnen schwer, nachzuvollziehen, dass es ihrem Kind gut geht, wenn es "nur" in seiner Fantasiewelt spielt, wenn es eigene Ideen und nicht die der Eltern verwirklicht und wenn es sich Gegenstände dazu selbst herstellt. Das trifft für Kinder aller Altersgruppen zu.
Das, was Eltern von ihren Kindern lernen können, bringt sie oft selbst in einen Konflikt, z.B.:
Spielendes Lernen der Kinder ist ohne Erwachsenen möglich.
Jede vorzeitige, künstliche Beschleunigung der Entwicklung der Kinder geht auf Kosten von Qualität und Substanz.

Voraussetzungen, die unsere Kita bietet

Die Kindervereinigung e. V. ist seit 1992 in der Stadt Hohen Neuendorf in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Kinder in ihrer Subjektstellung zu stärken, sich für die Durchsetzung von Kinderrechten stark zu machen und Lebensorte zu kreieren, in denen Kinder ihren Fähig- und Fertigkeiten entsprechend selbstbestimmt agieren und Erfahrungen sammeln können. Im Jahr 2000 übernahm sie die Kita Krümelkiste in Trägerschaft, mit der sie ihr Bild vom Kind als Subjekt und Akteur seiner Entwicklung durch ein offenes, situationsorientiertes pädagogisches Konzept im frühkindlichen Bereich auf den Weg bringen konnte.
Unsere Voraussetzungen sind in erster Linie unsere hohe Motivation gesellschaftliche Veränderungsprozesse zum Wohle der und anvertrauten Kinder zu begleiten.

Kinder brauchen Freiräume, sich zu entdecken und auszuprobieren und ebenso Geborgenheit, Verlässlichkeit und emotionale Sicherheit.
Wir ErzieherInnen sehen uns als Beziehungsperson der Kinder, die sie auf ihren individuellen Bildungsprozessen begleiten, ihnen Halt und Orientierung bieten, im engen Dialog zu ihnen stehen, sie herausfordern und auch etwas zumuten und für eine sorgsame und offene Auswahl und Gestaltung der Umwelt sorgen. Wir verstehen uns dabei auch als selbst Lernende neugierig, forschend, wissbegierig, an uns selbst Fragen stellende, dem Menschen zugewandte Person, die damit auch modellhaft auf Kinder wirkt, ohne zu belehren.
Die Beobachtung der Kinder hat für uns eine zentrale Rolle, da sie vor allem auf Beachtung ausgerichtet ist. Wir nehmen eine wertschätzende, das Kind als Subjekt verstehende Haltung ein, was die intensive Einbeziehung der Eltern als Selbstverständlichkeit voraussetzt.

Pikler-, Hengstenberg-Ansätze: Bildungsauftrag und Gemeinsamkeiten

Wir verstehen uns in ersten Linie als Bildungs- und Erziehungseinrichtung und bejahen den gesellschaftlichen Bildungsauftrag des Landes Brandenburg. Dieser beinhaltet im Wesentlichen das folgende Bild vom Kind: „Kinder kommen mit der Fähigkeit zu lernen auf die Welt. Sie sind hungrig nach Wissen und neuen Erfahrungen, wie niemals später. Diese kindliche Neugierde nutzen und vertiefen ist unser Ziel. Nur so können sich Kinder neues Wissen aneignen und damit unabhängig und eigenständig werden. Insofern trauen wir den Kindern in der Gestaltung ihres Alltags. Dazu gehört, dass Kinder sich ausprobieren müssen, um Sicherheit und Selbständigkeit zu erlangen.
Pädagogische Prinzipien nach Pikler und Hengstenberg sind entsprechend.

„Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt. Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind, berauben wir es gerade dessen, was für seine Entwicklung das wichtigste ist. Ein Kind, das durch selbständige Experimente etwas erreicht, erwirbt ein ganz andersartiges Wissen als eines, dem die Lösung fertig geboten wird." Emmi Pikler

„Gib mir Raum und lass mir Zeit" bedeutet, dass jedes Kind sein individuelles Entwicklungstempo hat. Wir sehen die Kinder als individuelle Persönlichkeiten und akzeptieren sie so, wie sie sind. Gezielte Förderung der Kinder geschieht durch Freude an den Fortschritten in ihrer Entwicklung. Die Kinder erfahren Interesse an ihrer Entwicklung durch den Erwachsenen und durch andere Kinder. Dadurch wird bei ihnen Selbstwertgefühl und Stolz geweckt.

Geschützt Räume, in denen sich Kinder wohlfühlen, ist eine Grundvoraussetzung für ihre optimale Entwicklung. Selbst die besten pädagogischen Angebote bringen nur wenig Nutzen für die Kinder, wenn sie nur ungern in die KITA kommen. Nur wenn sie sich wohlfühlen, sind die Voraussetzungen zum vielfältigen Lernen und zur Aufnahme sozialer Kontakte gegeben.

Wir verstehen das Kind sowohl als biologisches, als auch soziales Wesen. Wir regen das Kind an, sich im selbstsicheren Tun forschend mit seiner Umwelt auseinander zusetzen und seine ursprünglichen Fähigkeiten durch das ihnen eigentümlichste Element der Bewegung zu entdecken, um Selbstbewusstsein und Standhaftigkeit zu erlangen.

„Wir alle kennen diese ursprünglichen Regungen der Kinder, die immer wieder darauf hinauslaufen, allein probieren zu wollen. Wir sollten nur noch mehr daran wissen, dass diese unermüdliche Überwindung von Widerständen aus eigener Initiative dem Kind jene Spannkraft verleiht, die wir ihm zu erhalten wünschen, und dass die Freude an der Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten darauf beruht, dass es selbständig beobachten, forschen, probieren und überwinden dürfte." E. Hengstenberg, 1991

 

Kooperationspartner

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